Als Kleingärtner geboren?

Ich gebe zu, dass die Überschrift des Beitrages etwas provokativ ist. Natürlich wird niemand als Kleingärtner geboren.

Und, ehrlicherweise möchte ich erwähnen, dass die Idee über die Anschaffung eines Kleingartens vor fünfzehn Jahren mir ziemlich verrückt vorkam.

Verrückt, weil die Früchte meiner (zukünftigen) Gartenarbeit ja viel günstiger in jedem Supermarkt rumlagen. Und Dreck an den Händen mag ich heute noch nicht leiden.

Trotzdem, oder gerade weil wir zu viert in einer gemütlichen Staßfurter Dachgeschosswohnung lebten, fand der Vorschlag meiner Frau bei mir wenig fruchtbaren Boden.

Überzeugt hatte mich aber damals die Möglichkeit, dass meine beiden „wilden Kerle“ draußen in der Natur spielen und tollen konnten. Und im Sommer gibt es bekanntlich nichts schöneres, als auf einer Wiese zu liegen und den Kindern im aufblasbaren Swimmingpool beim baden und planschen zuzusehen. Mit einem kühlen Bier in der Hand, versteht sich.
Gartenarbeit? Umgraben? Säen und Ernten? Nein, danke, muss nicht sein.

Es kam schleichend. Wie ein Gift, das sich, einmal injiziert, langsam ausbreitet im Körper und mehr und mehr Besitz von dir ergreift. Da ein paar Blumen, eine Reihe Erdbeeren für die Kids und ein paar Tomaten. Und die Erkenntnis, dass der Geschmack von selbst geernteten Tomaten mit jeder Supermarkt-Wassertomaten-Variation locker mithalten kann, ihn sogar um Längen übertrifft. Und das ohne Gentechnik, ohne Chemiekeule. Aber mit der Gewissheit, es mit seinen eigenen Händen erschaffen zu haben. Na gut, ein bisschen hat Mutter Natur auch mitgeholfen.

Und mit jedem Frühjahr wurde die Besprechung im Familienrat länger und ausführlicher, als es darum ging, die Fruchtfolgen auf den Beeten festzulegen. Kohlrabi und Lauch, Erdbeeren und Kartoffeln, Tomaten, Mini-Kiwi, eine Kräuterecke und ein Steingarten mit Pfefferminz und Mini-Lavendel gehören nun ebenso dazu wie die viele bunten Blumen. Und ja, es macht Spaß, zuzusehen, wie alles wächst und gedeiht.

Mittlerweile sind aus den „wilden Kerlen“ gestandene Männer geworden, die ihren eigenen Weg gehen. Und auf der Wiese mit dem Pool wachsen nun Äpfel- und Pflaumenbäume.

Nein, ich wurde nicht als Kleingärtner geboren. Ich habe gelernt, dass die Früchte der eigenen Hände Arbeit wertvoller sind als der schnelle Griff zum Supermarkt-Gemüse.

Ach ja, und ich mag den Dreck heute noch nicht leiden. Deswegen zieh ich mir Handschuhe an beim Gärtnern.

 

Euer

Ingo Knabe